Die Geschichte der Kolpingkapelle Steinberg

Seit 80 Jahren sorgen die Musikerinnen und Musiker der Kolpingkapelle für kurzweilige Unterhaltung und sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie machen Feste festlicher und frohe Stunden fröhlicher. An einem Sommerabend im Jahre 1928 gründeten junge Musikfreunde, von Hauptlehrer Müller und Hilfsförster Marx ausgebildet, ein Streichorchester. Dieser Tag gilt in der Chronik des Vereins als Geburtsstunde der Kapelle.

Aus diesem Orchester und den Musikern des Wanderclubs ,,Maiglöckchen" entstand dann in dem Jahr danach ein Mandolinen-Orchester. Ein musikalischer Treffpunkt des Dorfes wurde dann "Niklaesen-Birebam", wenn zu Geigen, Mandolinen und Gitarren an Sommerabenden gesungen wurde.

Wanderclub Maiglöckchen

Wanderclub Maiglöckchen

Am 14. August 1927 wurde Herr Pastor Stinner in die Pfarrei Steinberg eingeführt. Er gründete den Kolping- und Gesellenverein Steinberg, der sofort mit 100 Mitgliedern stärkster Ortsverein wurde. Herr Pastor Stinner nahm sich vor allen Dingen den Musikern des kleinen Streichorchesters an. Ihm gelang es, nun die Musiker in den Kolping- und Gesellenverein zu integrieren.

Für die öfter stattfindenden Veranstaltungen brauchte man nun auch eine wirkungsvoll musikalische Umrahmung. So reifte der Gedanke, ein Blasorchester zu gründen, heran. Im Jahre 1933 kam dann die große Überraschung für die ganze Kolpingfamilie. Herr Pastor Stinner war es gelungen, was viele nicht für möglich hielten: Er beschaffte für die ganze Kapelle die Instrumente und setzte nun die Schwerpunkte seiner Ausbildung auf die Blasmusik.

Im März diesen Jahres begannen die Proben der 17 Mann starken Kapelle mit viel Eifer und gutem Willen. Es wurde in dem Raum unter der Sakristei der alten Kirche geprobt. Nachdem Herr Pastor Stinner die Kapelle aufgebaut hatte, übergab er die Leitung dem jungen Küster, Herr Franz Maurer, einem gebürtigen Steinberger. Da fast alle Musiker arbeitslos waren, konnte eifrig geprobt werden, so daß die Musik und die Erfolge der Probearbeit über die Notzeit hinweg halfen.

Dank fleißigen Probens konnte bald in der Öffentlichkeit aufgetreten werden. Im Sommer des gleichen Jahres wurde die Kapelle vom Bischof eingeladen, um an drei Tagen während der Ausstellung des Heiligen Rockes für die Wallfahrer zu musizieren.

1933 Wallfahrt zum heiligen Rock

1933 Wallfahrt zum heiligen Rock

Leider konnte die Entwicklung des Vereins nicht kontinuierlich fortgesetzt werden. Das nationalsozialistische Regime schränkte die Bewegungsfreiheit der kirchlichen Vereine stark ein. Im Jahre 1934 kam das Uniformverbot durch die Nazis. 1935 war es dann soweit, man rechnete jeden Tag mit einem Verbot des Kolping- und Gesellenvereins. Daraufhin teilte Franz Maurer am 27. September 1935 der Reichsmusikkammer mit, daß man die Kolpingkapelle aufgelöst und sich dem Kirchenchor angeschlossen habe. Die Kammer war mit dieser Neuregelung einverstanden, und die Kapelle war innerhalb bestimmter Richtlinien berechtigt, auch außerhalb der Kirche zu musizieren.

Negative Erfahrungen während der NS-Zeit wurden ebenfalls, anläßlich eines Gesellentreffens in München, gemacht. Ein SS-Trupp bedrängte die Abordnung der Steinberger Kapelle und riß dem Bannerführer Franz Marx die Kordel und die Knöpfe von der Vereinsuniform.

1938 ging Herr Maurer als Küster nach Koblenz. 1939 begann der 2. Weltkrieg und brachte das Vereinsleben zum Erliegen. Formell blieb die Kapelle aber weiterhin bestehen, da das Mitglied Franz Göttert auch während der Kriegszeit treu und brav die Beiträge an die einzahlte.

Als der Krieg zu Ende war, kehrten die Aktiven:

Josef Brutscher
Josef Dupont
Fritz Göttert
Josef Kolling
Peter Michels
Anton Dupont
Josef Gimmler
Franz Grünewald
Peter Kolling
und P. Weber

nicht mehr nach Hause zurück.

Trotz großer Lücken, die der Krieg in die Reihen der Musiker riß, wurde kurz nach Kriegsende ein neuer Anfang gemacht. Man suchte die alten verbeulten Instrumente wieder zusammen. Auch die verstaubten Noten wurden wiedergefunden. Die Kapelle wurde als kultureller Verein bei der französischen Militärverwaltung in Wadern  angemeldet. Unter dem Küster Michael Lauer begann der Neuaufstieg, und am Weißen Sonntag 1947 wurden die Kinder wieder mit Musik in die Kirche geleitet. Da die Kapelle mit 18 Mann nur schwach besetzt war, ging man mit dem Musikverein Morscholz eine Fusion ein.

Am  16.9.1951  wurde der Musikverein ,,Fidelia Morscholz-Steinberg" im Gasthaus Otto Maus gegründet. 1. Vorsitzender war Herr Karl Weber, 2. Vorsitzender Herr Mathias Klein und Herr Peter Klein aus Morscholz war von 1950 bis 1953 der Dirigent. Durch den Zusammenschluß erhielt die Kapelle eine beachtliche Stärke und eine bessere Besetzung. Nachdem 1953 der Musikverein Steinberg wieder selbständig wurde, übernahm Herr Josef Weber aus Steinberg den Dirigentenstab, den er bis 1974 führte.

Bis Kriegsbeginn war die Kolpingkapelle eine Abteilung des Kolping und Gesellenvereins. Da nach dem Krieg der Kolpingverein nicht mehr bestand, mußt die Kapelle selbständig werden. Stolz hielt man den Namen Kolpingkapelle bei.

Die Kolpingkapelle 1958

Die Kolpingkapelle 1958



1962 wurde die Kolpingkapelle zu einem internationalen Jugendtreffen auf die Schönburg eingeladen. Bundeskanzler Adenauer und Nuntius Bafile würdigten die Beiträge der Kolpingkapelle Steinberg.

1963 war ein Zeltfest zur 35-Jahr Feier. Amtsherr Nikolaus Harig, Weiskirchen, war der Schirmherr und der MV Nunkirchen der Patenverein.

1971 wirkte die Kolpingkapelle sogar am Rosenmontagszug in Mainz mit.

1972 beging der Verein sein 45jähriges Bestehen unter der Schirmherrschaft von Justizminister Alois Becker. Patenverein war der MV Großbottwar. Während dieses Festes wurde der 80jährige Johann Schuh für seine langjährige Mitarbeit zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

1974 trat der Dirigent Josef Weber aus Altersgründen zurück. Für seine 21-jährige verdienstvolle Tätigkeit wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Sein Nachfolger wurde Günter Schneider aus Weiskirchen

In den 70er Jahren konnte man bei unserem Verein einen allgemeinen Trend zu höherer Qualität feststellen. Neue Notensätze und Instrumente wurden gekauft. Werbeaktionen führten dem Verein Jugendliche zu, die von Aktiven und Gönnern ausgebildet wurden. So konnten 22 Jungmusiker bis November 1976 ausgebildet und geschult werden. Unter der Dirigentschaft von Günter Schneider wuchs das Orchester von damals 16 auf 60 aktive Bläser heran. Mit seinem hervorragendem musikalisches Können und seiner pädagogischen Begabung machte er die Kolpingkapelle weit über die Grenzen von Steinberg hinaus bekannt.
 


Die Kolpingkapelle 1978

Die Kolpingkapelle 1978


1993 zog die  Kolpingkapelle nach langem warten in ihren neuen und geräumigen Proberaum in der Eichenlaubhalle in Steinberg um.

1994, also nach 20 Jahren legte Günter Schneider auf eigenen Wunsch den Dirigentenstab nieder. Auch Ihm wurde die Anerkennung zum Ehrendirigenten ernannt zu werden zuteil. Im Rahmen eines Konzertes übergab Schneider den Dirigentenstab an den erst damals erst 26jährigen Markus Linnig.

Obwohl es sich um seine erste Dirigentschaft handelte, trat er sie mit viel Fachwissen und Freude an der Musik an. Ein besonderes Anliegen war es ihm, das traditionelle Image der Blasmusik zu durchbrechen und die vielfältigen Möglichkeiten eines modernen Blasorchesters vor dem Publikum der Kolpingkapelle darzustellen.

Übergabe des Dirigentenstabes 1994

Die symbolische Übergabe des Dirigentenstabes 1994
zwischen Markus Linnig und Günther Schneider.
Im Hintergrund die damaligen Vorsitzenden Petra Dewald und Arno Görgen .

Markus Linnig dirigierte die Kolpingkapelle bis zum Juli 2003. Sein Nachfolger ist der Kirchenmusiker, Orchester- und Chordirigent Michael Ludwig, der das Orchester zur Zeit leitet. Unter Michael Ludwig hat das Orchester bereits einige Erfolgreiche Konzerte bestritten. Der Höhepunkt in seiner bisherigen Amtszeit war die Aufführung des Märchenmusicals "FREUDE" am Samstag, 08.10.2005, und am Sonntag, 09.10.2005, in der Hochwaldhalle in Weiskirchen.


Aufführung des Märchenmusicals FREUDE am Samstag, 08.10.2005

Aufführung des Märchenmusicals FREUDE am Samstag, 08.10.2005

Im Rahmen dieser Veranstaltung hatte die Kolpingkapelle mehr als eintausend Gäste. Die Aufführung in Zusammenarbeit mit der Grundschule Steinberg war bis jetzt das größte und aufwendigste Konzertprojekt in der Vereinsgeschichte.


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